Seit Jahren geistern die abenteuerlichsten Behauptungen über die verschiedenen Aspekte der Windenergie durch die Öffentlichkeit. Manche halten sich mit erstaunlicher Beständigkeit und werden auch von seriösen Medien immer wiederholt.
Die große Mehrheit der Bevölkerung steht der Windenergie außerordentlich positiv gegenüber.
Unabhängige Umfragen der marktführenden Meinungsforschungsinstitute Allensbach, Emnid
und forsa belegen dies. Zwei Drittel der Bundesbürger sprechen sich demnach für eine
deutliche Erhöhung des Anteils der Windenergie an der Stromversorgung in Deutschland aus.
Die im Mai 2004 und April 2005 im Auftrag des Bundesumweltministeriums durchgeführten
forsa-Umfragen „Meinungen zur Windenergie“ und „Meinungen zu erneuerbaren Energien“
zeigen außerdem, dass sich die Zustimmung durch alle politischen Lager zieht.
Sowohl Anhänger der Grünen (85%) und der SPD (80%) als auch der FDP (63%) und
der Union (63%) befürworten mehrheitlich die Nutzung der Windenergie.
Ebenso wird die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als sinnvoll und
angemessen angesehen. Windkraft gilt nach der Solarenergie als beliebteste Energieform.
Geschätzt werden besonders ihre Umwelt- bzw. Klimaverträglichkeit und „Unerschöpflichkeit“.
Sie verringere die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Kohle, Uran, Öl und
Gas und berge kaum Gefahren für Mensch und Natur. Atomkraft wird demgegenüber als
zukunftsfähige Energieform abgelehnt. 59 Prozent der Bevölkerung erachten das Risiko
ihrer Nutzung als zu hoch und fordern den endgültigen Ausstieg.
130.000 Beschäftigte zählt die Branche der erneuerbaren Energien, davon allein 60.000 im Bereich der Windenergie. Bis 2020 können es sogar 500.000 Jobs bei den Erneuerbaren und rund 110.000 Arbeitsplätze bei der Windkraft sein. Im Zeitalter der Globalisierung erweist sich die Energiewende als Jobmotor, leisten die erneuerbaren Energien eine Wertschöpfung, die vor allem national und regional erfolgreich ist.
Hersteller, Service-Dienstleister, Planungsbüros, Sachverständige und Gutachter leben von der sauberen Energie. Ebenso die Zulieferfirmen, zu denen vielfach alt eingesessene Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Metallindustrie und der Elektrobranche gehören. Ihre Zentren sind größtenteils in Norddeutschland, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt beheimatet. Hier entstehen sichere Arbeitsplätze und die Wirtschaftskraft der oftmals strukturschwachen Regionen wird nachhaltig gestärkt. Windenergie hat einen entscheidenden Anteil an der bisherigen Erfolgsgeschichte der erneuerbaren Energien. Und die Zukunft ist vielversprechend: An Nord- und Ostsee können mit Beginn des Offshore-Zeitalters zusätzlich über 10.000 neue Jobs entstehen. Die Exportquote deutscher Windtechnologie beträgt schon heute 60 Prozent, Tendenz steigend.
Eine Windenergieanlage erzeugt während ihres Betriebes gut 40 bis 70 Mal so viel Energie wie für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung eingesetzt wird. Diese energetische Effizienz moderner Windmühlen wurde in den letzten 15 Jahren durch mehrere Studien unabhängiger Forschungsinstitute bestätigt.
Demnach reichen einer Windturbine an Land zwischen drei Monaten und einem Jahr, um die Energie wieder „zurückzugeben“. Untersuchungen für Offshore-Anlagen der Multimegawattklasse haben gezeigt, dass diese lediglich 4-6 Monate brauchen, um die Energie wieder einzufahren, die für ihre Produktion, Aufstellung und Abbau benötigt wird.
Betrachtet man bei der energetischen Amortisation dann noch die Möglichkeiten des Recyclings und schreibt diese der WEA gut, erhöht sich der Erntefaktor auf bis zu 90. Bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 20 Jahren eine sehr positive ökologische Bilanz, die konventionelle Kraftwerke durch den betriebsbedingten ständigen Einsatz von fossilen Brennstoffen niemals erreichen können.
Die deutsche Windindustrie ist weltweit führend. Nirgendwo sonst werden mehr Windenergieanlagen und Komponenten gefertigt, sind technisches Know-how und gesammelte Erfahrungswerte in so hohem Maße verfügbar. Deutsche Unternehmen haben einen Weltmarktanteil von mehr als 50 Prozent, die Exportquote der Hersteller und Zulieferer liegt sogar bei 70 Prozent.
Dennoch gestaltet sich die Erschließung ausländischer Märkte immer noch schwierig: Wie in Deutschland werden in vielen anderen Ländern konventionelle Energieträger subventioniert und die externen Kosten der Energiegewinnung nicht in den Preis eingerechnet. Oftmals fehlen feste gesetzliche Rahmenbedingungen, besteht ein Informationsdefizit bezüglich der ökonomischen und ökologischen Vorteile einer dezentralen regenerativen Energieversorgung.
Diese Hemmnisse gilt es durch eine nachhaltige Exportförderung abzubauen. Nur so können die ambitionierten Ausbauziele, zu denen sich unter anderem die Europäische Union, Lateinamerika oder China verpflichtet haben, in Zukunft umgesetzt werden. Die Potenziale sind riesig, geeignete Standorte für die Nutzung der Windenergie gibt es überall auf der Welt.
Anfang 2007 wurden in Deutschland mehr als 20.000 Megawatt Windleistung betrieben. Weltweit sind es mehr als 60.000. Zu den führenden Windenergie-Nationen gehören neben Deutschland, Spanien, die USA, Indien und Dänemark. Auch China baut bei der Bewältigung seines riesigen Energiehungers zunehmend auf erneuerbare Energien. Auf der internationalen Konferenz „Renewables 2004“ in Bonn hat sich das Reich der Mitte dazu verpflichtet, bis 2010 rund 60 Gigawatt Kraftwerksleistung aus regenerativen Energien bereitzustellen, bis 2015 soll allein der Anteil der Windenergie auf fünf Prozent der gesamten chinesischen Stromerzeugungskapazität ansteigen.
In einigen Regionen wie Navarra in Spanien oder in Schleswig-Holstein beträgt der Windstromanteil mittlerweile zwischen 30 und 50 Prozent. Im gesamten dänischen Königreich wird nahezu ein Fünftel der Stromproduktion von der Windenergie geleistet.
Windenergieanlagen wachsen nicht willkürlich aus dem Boden. Ihre Genehmigung kann von den Kommunen durch die Ausweisung geeigneter Flächen, so genannter Vorrangflächen, gesteuert werden. Zudem existieren reine Ausschlussgebiete – Naturschutzgebiete oder Gebiete von besonderer kultureller und historischer Wertigkeit – in denen keine Anlagen aufgestellt und betrieben werden dürfen.
Bereits zu Beginn der Planungsphase werden die „Träger öffentlicher Belange“ (Behörden, kommunale Verbände und Vereine) über das Vorhaben informiert. Jedes Projekt durchläuft vor seiner Realisierung ein ordentliches Genehmigungs-verfahren, in dem die örtlichen Bedingungen wie Wohnbebauung, Landschaft und Tierwelt untersucht und berücksichtigt werden. Die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte für zum Beispiel Schallemissionen und Schattenwurf sind ebenfalls fester Bestandteil der Prüfung. Gesetzliche Grundlage des Genehmigungsverfahrens ist das Baugesetzbuch beziehungsweise Bundesimmissionsschutzgesetz.
Infraschall (Schall mit sehr niedrigen Frequenzen) ist ein weit verbreitetes Phänomen. Neben natürlichen Quellen wie Gewittern, Windströmungen und Meeresbrandung gibt es auch eine Vielzahl technischer Infraschallquellen wie Heizungs- und Klimaanlagen, Kompressoren und Verkehrsmittel. Langjährige Untersuchungen in den Achtzigerjahren durch das ehemalige Bundesgesundheitsamt haben gezeigt, dass Infraschall unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle, also Schall unter 20 Hz und einem Schalldruckpegel von weniger als 130 dB, für den menschlichen Organismus keinerlei negative Auswirkungen hat. Unabhängigen Messungen zufolge erreicht der von Windenergieanlagen erzeugte Infraschall selbst im Nahbereich bei weitem nicht diese Werte und ist somit völlig harmlos.
Ob Land- oder Forstwirtschaft, industrielle Entwicklung oder Städtebau: Seit jeher haben menschliche Aktivitäten das Landschaftsbild geformt und immer neuen Veränderungen unterworfen. Es ist gar nicht lange her, dass Wasser- und Windmühlen zu unserer Kulturlandschaft gehörten. Noch um 1900 standen allein in Nordwestdeutschland rund 30.000 Windmühlen. Wie die Veränderungen im Landschaftsbild empfunden werden, bestimmt die subjektive Wahrnehmung. Fakt ist jedoch: Nichts hat unsere Umwelt so geprägt wie die Industrialisierung mit ihrem Energiehunger und Mobilitätsbedürfnis. Über 200.000 Strommasten verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet; Hochspannungsleitungen und Verkehrswege zerschneiden weiträumig die Landschaft. Allein dem Braunkohletagebau fielen bisher über 1.600 Quadratkilometer Landschaft zum Opfer, ganze Ortschaften wurden umgesiedelt. Der Einfluss der Windturbinen ist dagegen vergleichsweise gering. Dabei wird sich die Anlagenzahl trotz steigender installierter Leistung durch technische Innovationen und Repowering in den nächsten Jahren nicht wesentlich erhöhen. Zudem gibt es in der Regional- und Flächennutzungsplanung ausreichend Instrumente, um den Belangen von Natur- und Landschaftsschutz unter Beteiligung der Bevölkerung Rechnung zu tragen.
Windenergieanlagen produzieren zwischen 7.000 und 8.000 Stunden Strom im Jahr. Bei 8.760 Jahresstunden entspricht dies einer durchschnittlichen Laufzeit von circa 85 Prozent. Allerdings drehen sich die Rotoren nicht immer mit maximaler Leistung. Die Windstromproduktion beginnt schon bei circa 2,5 m/s Windgeschwindigkeit und wird dank modernster Regeltechnik erst bei starkem Sturm langsam und netzverträglich herabgeregelt. Hiervon zu unterscheiden ist der lediglich statistische Wert der Volllaststunden, der als wesentliche Kalkulationsgrundlage bei Windparkfonds fungiert. Dieser Wert wird im Mittel mit rund 2.000 Stunden pro Jahr angegeben und errechnet sich, indem man die gesamte Stromproduktion einer Anlage im Jahr durch ihre maximale Leistung (Nennleistung) teilt.
Auch bei wenig Wind wird also Strom in das örtliche Netz eingespeist. Überregional heben sich solche Schwankungen wieder auf, so dass in Deutschland zu jeder Zeit stets sauberer Windstrom produziert und verbraucht wird.
Moderne Windturbinen arbeiten mit mäßigen Drehzahlen und dabei äußerst effektiv. Eine einzige 1,5 Megawatt-Anlage produziert je nach Standort zweieinhalb bis fünf Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Damit kann sie über 1.000 Vier-Personen-Haushalte versorgen oder in 20 Betriebsjahren umgerechnet circa 90.000 Tonnen Braunkohle ersetzen. Die größten Windturbinen haben mittlerweile Nennleistungen von fünf Megawatt. Sie produzieren jährlich bis zu 17 Millionen Kilowattstunden Strom. Somit kann ein kleiner Windpark bereits eine ganze Kleinstadt mit Strom versorgen.
Im Jahr 2004 umfasste das deutsche Stromnetz 1.641.500 Kilometer Leitungen. Davon 75.400 km im Hochspannungsnetz (60-220 kV) und 36.000 km im Höchstspannungsnetz (220-380 kV). Die Integration der Windenergie in das deutsche Versorgungsnetz macht einen Umbau dieses Netzes notwendig. Die dena-Netz-studie geht von zusätzlichen 845 km im Höchstspannungsnetz aus, um die küstennahen Windregionen in das europäische Verbundnetz zu integrieren und den Offshore-Wind in die Verbraucherzentren zu transportieren. Das sind weniger als fünf Prozent der bestehenden 380 kV-Leitungen. Bei diesen Berechnungen noch nicht berücksichtigt ist die Möglichkeit, die Kapazität des bestehenden Stromnetzes zu erhöhen. Durch Messung von Wetterdaten (Temperatur, Windstärke, Sonneneinstrahlung) könnten die Netzbetreiber die Übertragungskapazität der bestehenden Freileitungen um 30 Prozent steigern. Mit einem Monitoring der Leitungstemperatur kann die Kapazität sogar um bis zu 100 Prozent gesteigert werden. Ohne neue Kabel.
Neue Leitungen dienen aber nicht nur der Übertragung von Windstrom sondern auch der Intensivierung des europäischen Stromhandels und sind daher von den Netzbetreibern gewollt. Der Netzausbau erfordert eine jährliche Investitionssumme von 115 Millionen Euro. Bei über zwei Milliarden Euro, die die Betreiber insgesamt pro Jahr in die Stromnetze investieren, ein geringer Betrag. Die neuen Leitungen müssen dabei nicht zwingend als Freileitungen gebaut werden. Eine vergleichende Studie von Prof. Brakelmann zeigt, dass das Erdkabel eine kostengünstige Alternative ist. Auf die Netznutzungsentgelte hat der Leitungsbau nur marginale Auswirkungen. Bis 2015 ergeben sich hierdurch Mehrkosten von weniger als einem Euro pro Jahr und Haushalt.
Die Netzstabilität wird durch den Ausbau der Windenergie nicht gefährdet. Dass auch ein hoher Windstromanteil ins Netz problemlos zu integrieren ist, zeigen die Dänen. Die Windpioniere im Norden haben bereits mehr als 20 Prozent Windenergie und wollen diesen Anteil noch ausbauen.
Eine Windkraftanlage mit Getriebe und Stahlrohrturm besteht inklusive Fundament zu 60 Masseprozent aus Stahlbeton und zu 30 Prozent aus Stahl. Einen weiteren nennenswerten Anteil macht mit zwei Prozent glasfaserverstärkter Kunststoff aus. Alle weiteren Materialien haben jeweils weniger als ein Masseprozent (Kupfer, Aluminium, Elektroteile, Betriebsflüssigkeiten).
Die Rotorblätter (glasfaserverstärkte Kunststoffe) werden geschreddert oder zermahlen. Sie können hiernach als Beimengung bei der Neuherstellung von Rotorblättern eingesetzt oder auch als Füllstoff in bestimmten Kunststoffen verwandt werden. Ist die stoffliche Verwertung auf Grund zu langer Transportwege unwirtschaftlich, werden sie einer thermischen Verwendung zum Beispiel in Verbrennungsanlagen oder Zementfabriken zugeführt.
Der Beton des Fundamentes und gegebenenfalls des Turmes kann als Zuschlagstoff im Straßenbau Verwendung finden. Elektroschrott kann in Scheideanstalten stofflich verwertet und die metallischen Komponenten in Gießereien eingeschmolzen werden.
Gerade diese Bestandteile aus dem Maschinenhaus (Aluminium/Blech), der Rotornabe (Stahl/Gusseisen) und dem Generator (Stahl/Kupfer) sind von Wert und das Recycling deshalb wirtschaftlich sinnvoll. Moderne Windenergieanlagen lassen sich zu annähernd 100 Prozent verwerten.
Der Wind ist launischer Natur und passt nicht immer zum Energiebedarf der Verbraucher. Eine Flaute muss mit Energie aus anderen Kraftwerken oder anderen Regionen ausgeglichen werden. Doch nicht nur Windenergie bedarf der Vorhaltung von Reserve- und Regelenergie. Schwankungen in Stromangebot und Nachfrage treten bei allen Energieformen auf. Dennoch wird gerade der „unsteten“ Windenergie ein erhöhter Regelenergiebedarf vorgeworfen, der die Stromgewinnung aus Wind unwirtschaftlich mache.
Die Fakten sehen jedoch anders aus: Nach Angaben des Verbandes der Netzbetreiber (VDN) sank der bundesweite Regelenergiebedarf trotz erfolgreichen Ausbaus der Windenergie in den Jahren 2002 bis 2004 um zwölf Prozent. Weiterhin ist die Stromerzeugung aus Wind inzwischen sehr gut prognostizierbar. Bereits heute kann die zu erwartende Windleistung 48 bis 72 Stunden vorher mit einer Abweichung von durchschnittlich sieben Prozent vorhergesagt werden. Nur für den nicht sicher prognostizierbaren Anteil muss Regelenergie bereitgehalten werden.
In den nächsten Jahren wird der Regelenergiebedarf durch verbesserte Prognosemöglichkeiten und innovative Anlagen- und Speichertechnik weiter sinken. Zudem ist eine Optimierung des deutschen Strommarktes mit seiner Aufteilung in vier Regelzonen – ein Sonderfall in Europa – längst überfällig. Die Bildung einer einzigen Regelzone würde den Bedarf an Regelenergie auf Grund von Lastschwankungen erheblich verringern. Wo heute noch in einer Zone ein Überangebot an eingespeister Energie herabgeregelt werden muss während in einer anderen Zone bei zu wenig Stromangebot Ersatzkraftwerke hochgefahren werden, lassen sich bei einer Gesamtzone diese Schwankungen intern ausgleichen. Schließlich können in Zukunft zum Ausgleich einer schwankenden Stromeinspeisung auch regenerative Energien eingesetzt werden.
Gemeinden werden zu regenerativen Regionen, Landwirte zu Energiewirten, vielerorts entstehen Bürgerwindparks, der Tourismus wird durch Besichtigungstouren zu Wasserkraftwerken, Biogas- und Windenergieanlagen attraktiver. Kommunen und Bürger profitieren direkt vor Ort von der Nutzung der erneuerbaren Energien.
Zum Beispiel in den Landkreisen Cuxhaven und Stade: Hier flossen einer Studie des Forschungsinstitutes ForWind zufolge in den letzten zehn Jahren Investitionen in Höhe von 600 Millionen Euro in Windprojekte. Allein aus Pachteinnahmen und Betriebsausgaben verbleiben jährlich rund 30 Millionen Euro in den beiden Landkreisen. An der Nordseeküste entstand durch die Nutzung der Windenergie eine Branche, deren Wirtschaftskraft heute an den Tourismus und die Landwirtschaft heranreicht.
Die Windkraft-Zulieferunternehmen des Industrie- und Handelskammerbezirkes Ostfriesland und Papenburg profitierten seit Jahren von den Aufträgen der Firma Enercon (Aurich). In 2003 entsprachen die Aufträge des deutschen Marktführers alleine für die Unternehmen der Region laut IHK Emden einem Umsatzvolumen von 118 Millionen Euro.
Beim Bau und Betrieb von Windparks werden Arbeitsplätze geschaffen, gehen Aufträge für Wegebau, Fundamente oder Service-Dienstleistungen an lokal ansässige Firmen. Landwirtschaftliche Betriebe verschaffen sich ein weiteres wirtschaftliches Standbein und Gewerbesteuern fließen in die kommunalen Kassen.
Nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch rechnet sich also das Ausspielen der „Grünen Karte“!
Windenergieanlagen haben eine prognostizierte Lebensdauer zwischen 20 und 30 Jahren. Ihrem Bau und der Inbetriebnahme geht ein mehrstufiges Genehmigungsverfahren voraus, das gemäß Baugesetzbuch auch die Verpflichtung beinhaltet, die Anlagen nach Betriebsende vollständig zurückzubauen und den Standort wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Als Sicherheitsleistung stellt der Betreiber hierfür eine sogenannte Rückbaubürgschaft gegenüber dem Grundstückseigentümer in Form einer Bankbürgschaft oder durch hinreichende Rücklagen zur Verfügung. Keinesfalls bleiben nach endgültiger Stilllegung der WEA Bauruinen und eine zerstörte Landschaft zurück.
Beim Bau von Windenergieanlagen müssen umfassende baurechtliche Vorschriften eingehalten werden. So werden bereits in der Planungsphase die zu erwartenden Schallemissionen überprüft. Grundlage hierfür ist die „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA-Lärm), in der jeweils konkrete Vorgaben für Geräuschpegel festgelegt sind, die in Wohn-, Misch- oder Gewerbegebieten nicht überschritten werden dürfen. Diese Grenzwerte liegen zwischen 35 dB (Wohngebiet) und 45 dB (Mischgebiet). Nach ihnen richtet sich der Abstand zur nächsten Wohnbebauung. Für eine Baugenehmigung ist die Einhaltung dieser Werte durch ein Gutachten nachzuweisen.
Grundsätzlich produzieren moderne Windturbinen weit weniger Lärm als ihre Vorgänger aus der Pionierzeit der Windenergie; sie sind besser schallgedämmt und besitzen schalltechnisch optimierte Rotorblattformen. In wenigen hundert Metern Entfernung sind sie akustisch kaum noch wahrzunehmen. Zudem überlagern Umgebungsgeräusche – rauschende Bäume und Büsche, Straßenlärm und andere Alltagsgeräusche – die Geräuschentwicklung von Windenergieanlagen erheblich.
Windenergieanlagen sind technische Bauwerke. Sie unterliegen ebenso den Vorschriften für den Bau und einen sicheren Betrieb wie andere technische Bauwerke. Und auch das Unfallrisiko kann nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Störanfälle betreffen jedoch nur die nähere Umgebung der Anlage. Hauptrisiko bei dem Betrieb einer modernen Windmühle ist der Umsturz der gesamten Anlage bzw. das Abreißen von Anlagenteilen (insbesondere Rotorblätter). Derartige Schäden treten statistisch betrachtet bei einer Anlage alle 200 bis 500 Betriebsjahre auf. Und auch nur dann besteht ein unmittelbares Risiko für den Menschen, wenn dieser zur selben Zeit unter der Anlage steht.
Das Abbrennen der WKA durch Blitzeinschlag ist bei neueren Maschinen durch Blitz- und Überspannungsschutz so gut wie ausgeschlossen. Ein besonderes Problem beim Betrieb von WKA in Kälteregionen und im Winter ist die Vereisung der Rotorblätter. Sie führt nicht nur zu einer Minderung der Leistung, sondern bringt auch die Gefahr des Eisabwurfes mit sich. Spezielle Eissensoren und eine Rotorblattheizung können hier Abhilfe schaffen.
Schließlich sorgt eine automatische, computergesteuerte Betriebsführung für die stetige Überwachung aller Betriebsparameter. Störungen im Betrieb der Anlage werden so schnell festgestellt und behoben.
Erneuerbare Energien haben einen wesentlich geringeren Einfluss auf die Strompreise, als häufig behauptet wird. Zu diesem Ergebnis kommen diverse unabhängige Studien. Bei einer durchschnittlichen monatlichen Stromrechnung eines Drei-Personen-Haushaltes von rund 52 Euro beträgt der Kostenanteil aller erneuerbarer Energien lediglich 2,3 Prozent (siehe Grafik). Davon entfallen derzeit 65 Prozent auf Windenergie. Der notwendige Netzausbau wird daran nichts ändern. Durch ihn ergeben sich bis 2015 lediglich Mehrkosten von weniger als einem Euro pro Jahr und Haushalt.
Der Hauptgrund für die gestiegenen Strompreise liegt in den überhöhten Netznutzungskosten. Diese müssen von jedem Wettbewerber bezahlt werden, der die Leitungen für die Durchleitung seines Stroms nutzen will. Seit der Liberalisierung stiegen die Entgelte gewaltig, allein zwischen 2001 und 2005 um bis zu 50 Prozent. Die deutschen Netzentgelte sind auf allen Spannungsebenen mehr als doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt. Dies hat zur Folge, dass neue Stromanbieter nicht konkurrenzfähig sind – Wettbewerb auf dem Strommarkt kann so nicht stattfinden. Beleg für die überhöhten Preise mögen die 18 Mrd. Euro Einnahmen aus Netznutzungsentgelten sein, denen lediglich Investitionen von ca. zwei Mrd. Euro pro Jahr gegenüberstehen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der unausweichliche Anstieg der Strompreise in den kommenden Jahren. Die steigenden Kosten fossiler Energien und der notwendige Ersatz eines Großteils der alten abgeschriebenen Kraftwerke werden die Preise nach oben treiben. Ein Ergebnis, zu dem auch die Deutsche Bank Research in ihrer Studie „Energieperspektiven“ kommt.
Die Kosten für eine Kilowattstunde Windstrom sinken dagegen kontinuierlich: von 1991 bis 2003 um 55 Prozent und bis 2010 um weitere 20 Prozent. In 10-15 Jahren wird Strom aus Windenergie nicht teurer sein als Strom aus fossilen Energie-trägern. Gerade richtig, um dauerhaft stabile Energiepreise sicherzustellen.
Gesamtpreis: 19,6 Cent pro Kilowattstunde (Durchschnittspreis für Endkunden 2005).
Größter Posten sind die Durchleitungskosten (Netznutzungsentgelte). Allein das Ablesen der Messkosten kostet fast doppelt so viel wie der Beitrag für erneuerbare Energien.
Bei der im EEG festgeschriebenen Vergütung von Strom aus erneuerbaren Energien handelt es sich nicht um staatliche Subventionen sondern um eine verursachergerechte Umlage von Mehrkosten auf die Energieverbraucher. Dies hat der Europäische Gerichtshof in seinem Urteil vom 13. März 2001 bestätigt. Es werden keine Mittel aus dem Bundeshaushalt eingesetzt, folglich würde eine Reduzierung der Vergütungssätze auch nicht zum Abbau staatlicher Subventionen oder der Steuerbelastung beitragen.
Im Gegensatz hierzu wurde die fossil-atomare Energiewirtschaft in den letzten Jahrzehnten hoch subventioniert. Allein die Atomkraft bekam direkte staatliche Beihilfen in Höhe von über 40 Milliarden Euro für den Bau von Forschungsreaktoren. Auch jetzt erhält die Atomindustrie immer noch Unterstützung in Milliardenhöhe in Form von steuerfreien Rückstellungen und Zuschüssen für die Forschung. Ebenso fließen in den Steinkohlebergbau nach wie vor Milliarden an Steuergeldern.
Einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt kostet die EEG-Umlage dagegen nur etwas mehr als einen Euro im Monat – 15 Euro im Jahr für aktiven Umwelt- und Klimaschutz!
Dass Windenergieanlagen wie alle baulichen Maßnahmen einen Eingriff in die Landschaft darstellen, wird niemand ernsthaft bestreiten. Die Behauptung, sie hätten signifikante Auswirkungen auf den Tourismus, entspricht aber nicht den Tatsachen. Dies haben empirische Untersuchungen von Tourismusforschungsinstituten inzwischen hinreichend bewiesen.
Windenergieanlagen sind sichtbare Zeichen des Klimaschutzes und des ökologischen Fortschritts. Für einige Gemeinden haben sich hieraus bereits positive „Mitnahme-Effekte“ ergeben: Sie erleben einen erheblichen Imagegewinn, da es die meisten Urlauber befürworten, wenn an ihrem Ferienort aktiver Umweltschutz praktiziert wird. Informationsarbeit über die erneuerbaren Energien, verbunden mit Besichtigungstouren zu Windenergieanlagen, bereichern hier das touristische Angebot und bescheren den interessierten Feriengästen ihr ganz spezielles Winderlebnis.
Das EEG sieht eine feste Einspeisevergütung des durch Windenergieanlagen erzeugten Stroms vor. Die Produktion, der Aufbau oder der Betrieb einer Anlage werden nicht gefördert.
Die Vergütung für Windstrom orientiert sich an zwei Grundsätzen: a) Eine jährliche Absenkung der Vergütung für neu errichtete Anlagen um jeweils 2 Prozent erhöht den Innovationsdruck auf die Branche und beschleunigt die Angleichung der Strompreise fossiler und erneuerbarer Energieträger. b) Windreiche Standorte werden insgesamt geringer vergütet, um eine Überförderung zu vermeiden.
Das Vergütungsmodell beinhaltet des Weiteren zwei Stufen: Mindestens die ersten fünf Jahre erhält der Windkraftanlagen-Betreiber die erhöhte Anfangsvergütung (2007: 8,19 Cent). Der Zeitpunkt der Zurückstufung auf die Basisvergütung (2007: 5,17 Cent) richtet sich nach der Standortqualität beziehungsweise dem erzielten Stromertrag. Je höher der durchschnittliche Ertrag, desto eher erfolgt die Zurückstufung. Ein Inflationsausgleich findet nicht statt. Die gesetzlich festgelegte Vergütung durch das EEG ist auf 20 Jahre befristet. Die Vergütung für Windenergieanlagen auf dem Meer (Offshore) unterliegt einer besonderen Regelung.
Kein „Vogelschlag“, kaum Meideverhalten – dies sind zusammengefasst die Ergebnisse langjähriger Studien zum Thema Windenergie und Artenschutz. Zahlreiche Ornithologen untersuchten das Vorkommen von Rast-, Brut- und Zugvögeln in der Nähe von Windenergieanlagen und stellten fest, dass sich nur wenige Arten auf Dauer in ihrem Verhalten beeinflusst zeigten. Der von Windkraftkritikern oftmals ins Feld geführte „Vogelschlag“ konnte vollends zurückgewiesen werden. So waren vereinzelte Häufungen von Todfunden allein bei Standorten auf Bergrücken – in Deutschland äußerst selten – oder nahe großer Gewässer zu beobachten. Der BUND rechnet bundesweit mit durchschnittlich 0,5 toten Vögeln pro Anlage und Jahr.
Trotz allem gilt: Der menschliche Eingriff in die Natur führt zwangsläufig zur Störung der Umwelt. Besiedlung, Verkehr, Land- und Forstwirtschaft schränken die Lebensräume der Tiere zunehmend ein. An großflächigen Glasfronten, im Straßenverkehr oder bei menschengemachten Umweltkatastrophen wie Tanker- Havarien verenden jährlich mehrere Millionen Vögel. Auch der wohl größte menschliche Eingriff in die Natur bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Vogelwelt. Die Änderung des Klimas führt schon jetzt zu nachweisbaren Verhaltensänderungen von Zugvögeln. Dies geht aus einer Studie des Instituts für Zoologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hervor.
Etwaige Auswirkungen von Windturbinen auf die Lebensräume und Durchzugsgebiete von Vögeln lassen sich dagegen durch eine sorgsame Standortplanung vermeiden oder wenigstens minimieren. Nahezu jedes Projekt wird heutzutage durch ornithologische Untersuchungen begleitet, in Natur- und Vogelschutzgebieten werden zudem keine Windenergieanlagen aufgestellt.
Nutztiere wie Pferde oder Kühe sind tagtäglich den unterschiedlichsten Reizen ausgesetzt. Sie passen sich neuen Gegebenheiten in der Regel recht schnell an. Verhaltensauffälligkeiten bei den Tieren durch den Betrieb von Windkraftanlagen in der Nähe von Koppeln, Weiden oder Ställen konnten bisher nicht beobachtet werden.
Bei Wildtieren tritt meist nach kürzester Zeit ein Gewöhnungseffekt ein. Rehe, Füchse und Hasen nehmen die Anlagen nicht als Bedrohung wahr, dementsprechend zeigen sie auch kaum Meideverhalten. Dies haben Umfragen unter deutschen Jägern bestätigt. Größerer Forschungsbedarf besteht noch beim Einfluss von Windenergieanlagen auf Fledermäuse. Die nachtaktiven Tiere scheinen zu bestimmten Zeiten des Jahres die Nähe der Anlagen zu suchen. Doch vermehrte Todfunde gab es bisher nur in sehr wenigen Windparks.
Strittig sind die Auswirkungen von Offshore-Windparks auf Meeressäuger wie Delfine und Schweinswale. Gerade die Errichtung der Parks mit Kabelverlegung und Turmbau wird von einigen Meeresschützern als problematisch für die empfindlichen Tiere eingeschätzt. Der Betrieb der Megawatt-Anlagen bereitet ihnen dagegen wenig Sorgen. Durch den Wegfall der Fischerei könnten hier sogar wertvolle Rückzugsgebiete für die Tiere entstehen. Ungeachtet der ungesicherten Forschungslage finden die vorläufigen Dokumentationsergebnisse der Wanderwege der Meeressäuger bereits heute Berücksichtigung bei der Standortwahl der Offshore-Windparks.